600 Jahre am Hang
Hoch über dem Tal, dem Wetter ausgesetzt,
steht der Ögg Hof 221 seit mehr als 600 Jahren.
Er hat Feuer, Wandel und Stille erlebt
und trägt die Spuren all jener, die hier lebten.
Seine Geschichte ist die Geschichte des Bleibens.

Mit Blick übers Tal
Ein Hof über dem Kaunertal.
Oberhalb von Feichten im Kaunertal, auf rund 1.450 Metern Seehöhe, liegt der Ögg Hof 221. Er gehört zu den Ögg Höfen, einer der ältesten erhaltenen Hofgruppen des Kaunertals und ein bedeutendes Zeugnis alpiner Bergbauernkultur. Bereits im 14. Jahrhundert wurde der Ögg-Hang besiedelt, im frühen 15. Jahrhundert tauchen die Höfe erstmals in Urkunden auf. Seitdem prägen sie die Landschaft – still, hoch gelegen, dem Wetter ausgesetzt, aber fest verwurzelt im Tal.
Sie sehen die Ögg-Höfe rechts oben im Eck. Dies ist die älteste existierende fotografische Aufnahme der Höfe, welche man auf 1926 schätzt.


Feuer, Holz und Generationen
Ein Hof, geformt durch Brände, Wiederaufbau und das Weitergeben von Besitz.
Der Hof 221 ist ein typischer Tiroler Bergbauernhof, errichtet, um Leben und Landwirtschaft in alpiner Höhe möglich zu machen. Seine heutige bauliche Form stammt größtenteils aus dem späten 18. Jahrhundert, um 1770, nachdem ein früherer Vorgängerbau abgebrannt war. Archäologische Untersuchungen und dendrochronologische Analysen belegen diese Bauphase. Seit mindestens 1767 befindet sich der Hof im Besitz der Familie Praxmarer. 1871 vereinte Tobias Lentsch zwei ursprünglich getrennte Hofhälften zum heutigen Ögg Hof 221 – Spuren davon sind bis heute sichtbar, etwa in den zwei Rauchküchen und Stuben.
Stille Jahre
Als das Leben den Hof verließ, blieb nur die Zeit – und der langsame Verfall.
Bis etwa 1980 war der Hof dauerhaft bewohnt und landwirtschaftlich genutzt. Danach wurde die Bewirtschaftung aufgegeben. In den folgenden Jahrzehnten stand der Hof leer, die Gebäude verfielen zunehmend, einzelne Teile des Ensembles waren vom Einsturz bedroht. Der Hof, der Generationen getragen hatte, wurde still. Wind, Schnee und Zeit hinterließen ihre Spuren, während das Leben im Tal weiterging.

Rückkehr und Zukunft
Restaurierung und neue Nutzung als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Mit der Gründung des Vereins „Kulturdenkmal Ögg Höfe“ im Jahr 2014 wurde der Grundstein für den Erhalt der historischen Hofanlage gelegt. Der Verein unterstützt die Eigentümer ideell und organisatorisch.
2016 - 2018 wurde der Ögg Hof 221 von Georg Praxmarer und seiner Frau Brigitte denkmalgerecht restauriert. In enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt blieb die historische Substanz erhalten und wurde behutsam für eine zeitgemäße Nutzung adaptiert. Seit 2018 dient der Hof 221 als Seminar- und Ferienhaus.
Gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt sicherte der Verein zudem den einsturzgefährdeten Stadel von Hof 223, da Ruinen grundsätzlich nicht unter Schutz gestellt werden. Nachdem alle Gebäude als gerettet galten, erfolgte 2017 der Ensembleschutz.
2022 wurde dieses Engagement mit der Denkmalschutzmedaille des Bundesdenkmalamts ausgezeichnet – ein eindrucksvolles Beispiel nachhaltiger Denkmalpflege im alpinen Raum.

